Otto berät jetzt in ChatGPT und testet dort Anzeigen

Der Onlinehändler bringt sein Sortiment per Plugin in ChatGPT, bestellt wird weiter im eigenen Shop. Werbung schaltet Otto dort schon seit September.

Zwei Hände halten ein Smartphone, auf dem die Startseite des OTTO-Plugins in ChatGPT mit drei Beispielfragen zu sehen ist
Das OTTO-Plugin in ChatGPT: Fragen beginnen mit @OTTOFoto: OTTO

Wer in ChatGPT nach einer passenden Waschmaschine fragt, kann sich dort jetzt direkt aus dem Sortiment von Otto beraten lassen. Der Onlinehändler hat am 20. Oktober 2026 ein Plugin für ChatGPT vorgestellt; bezahlt wird danach weiter im eigenen Shop.

So funktioniert es laut Otto: Im Reiter „Plugins“ nach OTTO suchen, das Add-on installieren und Fragen mit „@OTTO“ beginnen. Das Plugin greift auf mehr als 19 Millionen Produkte zu. Sobald das passende Gerät gefunden ist, wechselt man zu Otto, wo sich etwa ein Aufbauservice dazubuchen lässt. Für welche ChatGPT-Tarife das gilt, nennt Otto nicht.

Spannender als die Beratung ist die Technik dahinter. Gebaut hat die Schnittstelle die Konzerntochter Otto Group one.O, und zwar nach dem offenen Model Context Protocol. Wie ein MCP-Server arbeitet, erklärt unser Ratgeber; denselben Standard nutzt zum Beispiel TikTok für seinen Connector zu Werbekonten. Später sollen KI-Agenten über Ottos Schnittstelle Lagerbestände und Preise in Echtzeit abfragen und Bestellungen auslösen. Das Plugin ist der erste Praxistest dafür. Auf der eigenen Website berät seit März ein sprachgesteuerter Assistent auf Basis von Google-Technik, der laut Otto bis zu 37 Prozent höhere Bestellwerte erzielt als die klassische Suche.

Werbung läuft parallel#

Seit September schaltet Otto außerdem Anzeigen in ChatGPT, als einer der ersten Testpartner in Europa. Die ersten Ergebnisse nennt das Unternehmen vielversprechend, Zahlen bleibt es schuldig; geprüft wird nun ein dauerhafter Einsatz.

Für Marketingteams im Handel steckt darin eine Arbeitsteilung, die sich lohnt nachzubauen: Sichtbarkeit in den Antworten setzt eine saubere Produktschnittstelle voraus und landet damit eher auf der IT-Roadmap, die Anzeigen dagegen im Mediaplan. Wer nur das zweite hat, dürfte im Chat vor allem als Werbekunde vorkommen.

Frederike del Castillo, bei Otto für Strategie und Insights zuständig, zieht selbst die Linie: Bezahlte Platzierungen müssten deutlich von organischen Empfehlungen getrennt bleiben, denn „nur so können Transparenz und Vertrauen auch in einem KI-geprägten Commerce-Umfeld gewahrt bleiben“. Wie diese Trennung aussieht, wenn ein Händler zugleich Plugin-Partner und Anzeigenkunde ist, beschreibt die Mitteilung nicht.

Quellen (1)

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