KI-Schulungspflicht: Was Artikel 4 verlangt
Kurz gesagt
Eine Schulungspflicht im engeren Sinn gibt es nicht: Artikel 4 verpflichtet Anbieter und Betreiber seit dem 2. Februar 2025 zu Maßnahmen für KI-Kompetenz. Seit dem 27. Juli 2026 verlangt die geänderte Fassung kein garantiertes individuelles Niveau und kein bestimmtes Kurszertifikat.
Das Wichtigste in Kürze
- Artikel 4 berücksichtigt technische Kenntnisse, Erfahrung, Ausbildung, Schulung und den Nutzungskontext.
- Seit der Änderung vom Juli 2026 ist kein bestimmtes individuelles KI-Kompetenzniveau zu garantieren.
- KI-Campus unterscheidet Teilnahme ab 50 Prozent der Inhalte und Leistung ab 60 Prozent der Aufgabenpunkte.
Inhalt
Eine Schulungspflicht im engeren Sinn gibt es nicht: Artikel 4 verpflichtet Anbieter und Betreiber seit dem 2. Februar 2025 zu Maßnahmen für KI-Kompetenz; seit dem 27. Juli 2026 verlangt die geänderte Fassung kein garantiertes individuelles Kompetenzniveau. Daraus folgt weder ein vorgeschriebener Kurs noch ein gesetzliches Zertifikatsformat. Für ein Unternehmen bleibt die praktische Frage: Welche Kenntnisse brauchen die Personen für die KI-Anwendungen, die sie tatsächlich verwenden?
Der Lernauftrag beginnt bei einer Handlung. Eine Vertriebsmitarbeiterin, die Gesprächsnotizen zusammenfasst, braucht einen anderen Übungsfall als ein Administrator, der einem Agenten Schreibrechte im CRM gibt. Ein gemeinsamer Grundlagenteil kann sinnvoll sein. Die Freigabe eines Ergebnisses, das Prüfen einer Quelle und das Begrenzen eines Werkzeugs sind jedoch unterschiedliche Fähigkeiten. Ein Titel wie „KI-Führerschein“ macht diese Unterschiede nicht sichtbar.
Artikel 4 verlangt Maßnahmen zur KI-Kompetenz#
Die geänderte Fassung von Artikel 4 (Stand 3. Oktober 2026) nennt technische Kenntnisse, Erfahrung, Ausbildung und bisherige Schulung sowie den Nutzungskontext und die betroffenen Personen oder Personengruppen. Sie erfasst das Personal und weitere Personen, die im Auftrag des Anbieters oder Betreibers mit Betrieb und Nutzung der Systeme befasst sind. Der AI Omnibus trat am 27. Juli 2026 in Kraft (Stand 3. Oktober 2026); der amtliche Zeitplan nennt für KI-Kompetenz bereits den 2. Februar 2025. Grundlage ist die Fassung nach Verordnung (EU) 2026/1744.
Der neue Absatz 2 verpflichtet Kommission und Mitgliedstaaten zur Unterstützung, besonders für kleine und mittlere Unternehmen. Praktische Beispiele sollen auf der genannten Informationsplattform veröffentlicht werden. Absatz 3 sieht Empfehlungen des europäischen KI-Gremiums unter Berücksichtigung europäischer Kompetenzrahmen vor.
Die Rolle im konkreten Einsatz bleibt vorgelagert. Für ein Unternehmen, das Anwendungen selbst anbietet, können andere weitere Regeln relevant werden als für einen reinen Betreiber. Der Ratgeber zu Rollen und Pflichten im EU AI Act ordnet die Artikel und Termine. Diese Darstellung ist keine Rechtsberatung.
Die Tätigkeit entscheidet über die wichtigste Übung#
Der Gesetzestext verknüpft Kompetenz mit dem Kontext der Nutzung und den betroffenen Menschen. Für die Planung ist das genauer als eine Liste bekannter Produktnamen. Beginne mit dem Ergebnis, das die Person verantwortet: eine Zusammenfassung, einen veröffentlichten Inhalt, eine Kundennachricht oder eine technische Berechtigung. Dahinter liegen verschiedene Fehlerfolgen und verschiedene Möglichkeiten zur Kontrolle.
| Tätigkeit | Prüfbare Lernleistung | Gewicht in der Vorbereitung |
|---|---|---|
| Besprechung zusammenfassen | Aussagen mit den zugelassenen Notizen vergleichen und offene Punkte kennzeichnen | Hoch: Die Abgabe zeigt, ob Quellen und Ergebnis zusammenpassen |
| Kundenantwort vorbereiten | Unbelegte Zusagen erkennen und den Entwurf an den zuständigen Menschen übergeben | Hoch: Die Außenwirkung ist Teil der Aufgabe |
| Marketingtext veröffentlichen | Tatsachenbelege prüfen und die verantwortliche Freigabe dokumentieren | Hoch: Sprachliche Qualität allein reicht für die Abgabe nicht |
| Werkzeugzugriff einrichten | Erforderliche Lese- und Schreibrechte benennen und einen unzulässigen Aufruf stoppen | Hoch: Die Berechtigung entscheidet über die mögliche Aktion |
| Ein neues Modell ausprobieren | Grenzen anhand derselben Arbeitsprobe vergleichen | Ergänzend: Ein neuer Produktname belegt noch keine neue Fähigkeit |
Diese Gewichtung ist eine Empfehlung für die Lernplanung, keine gesetzliche Punkteskala. Ein Team kann andere Tätigkeiten haben. Entscheidend ist, dass die Aufgabenbeschreibung bis zur konkreten Abgabe reicht: Wer prüft was, mit welcher erlaubten Quelle, und woran erkennt er einen Fehler? Mit einer konkreten Abgabe lässt sich die geplante Fähigkeit beobachten.
Das freiwillige AI-RMF-Playbook ordnet Vorschläge den vier Funktionen Govern, Map, Measure und Manage zu. Es ist ausdrücklich keine komplett abzuarbeitende Checkliste. Für eine Übung lässt sich daraus eine einfache Trennung ableiten: Zuständigkeit festlegen, den Einsatz beschreiben, das Ergebnis untersuchen und auf einen Fehler reagieren. Diese Begriffe strukturieren die Arbeit; sie sind keine staatliche Kursanerkennung.
Eine Bescheinigung sagt, was tatsächlich geprüft wurde#
Die FAQ des KI-Campus unterscheidet zwei Schwellen. Eine Teilnahmebestätigung setzt Zugriff auf mindestens 50 Prozent der Lerninhalte voraus. Ein Leistungsnachweis verlangt mindestens 60 Prozent der Gesamtpunktzahl aller bewerteten Aufgaben. Der Unterschied ist erheblich: Zugriff auf Inhalte und Ergebnis in Aufgaben messen verschiedene Dinge.
Ein Micro-Degree bündelt mehrere zusammengehörige Onlinekurse; seine konkreten Voraussetzungen stehen auf der jeweiligen Programmseite. Auch ein stärkerer Nachweis beantwortet zunächst die Prüfungsfrage des Angebots. Ergänze eine Arbeitsprobe mit der vorgesehenen Kundendatei, Veröffentlichung oder Fehlerbehandlung. Dafür braucht es die Übertragung auf die erlaubte betriebliche Aufgabe.
| Nachweis | Was du daraus ablesen kannst | Was für den Arbeitsplatz offen bleibt |
|---|---|---|
| Teilnahmebestätigung | Die vom Angebot definierte Beteiligung wurde erreicht | Qualität eines konkreten Arbeitsergebnisses |
| Leistungsnachweis | Die festgelegte Aufgabenpunktzahl wurde erreicht | Passung der geprüften Aufgaben zur eigenen Tätigkeit |
| Abschluss einer Kursreihe | Die Voraussetzungen des gesamten Programms wurden erfüllt | Umgang mit eigenen Daten, Werkzeugen und Freigaben |
| Betriebliche Arbeitsprobe | Die definierte Abgabe wurde unter den gewählten Bedingungen geprüft | Andere Systeme, neue Funktionen und veränderte Risiken |
Ein typischer Auswahlfehler wäre, für jede Funktion im Unternehmen denselben Nachweis zu verlangen und den Inhalt des Lehrplans erst nach der Buchung anzusehen. Die Folge wäre eine saubere Liste von Zertifikaten mit unklarer Aussagekraft für den Einsatz. Der Ratgeber zur KI Weiterbildung und Förderung beschreibt Lernziel, Abschluss und Finanzierung. Im Kursverzeichnis kannst du die belegten Angebotsfelder vergleichen; nicht belegte Angaben bleiben offen.
Eine Arbeitsprobe prüft Erkennen und Reagieren#
Artikel 4 stellt den Nutzungskontext neben Vorkenntnisse und Erfahrung. Eine Übung muss deshalb nicht bloß zeigen, dass jemand eine Aufforderung an ein Modell schreiben kann. Sie kann prüfen, ob die Person fehlende Belege erkennt, eine unpassende Antwort verwirft und die richtige Zuständigkeit für den nächsten Schritt kennt. Die folgende Aufgabenfolge ist ein angenommener Unterrichtsentwurf für das Vorbereiten einer Kundenantwort, kein Bericht über ein tatsächlich geschultes Unternehmen.
Die Teilnehmenden erhalten einen freigegebenen Auszug aus einem Produktblatt und eine Kundenfrage. In der Frage stehen folgende Wünsche: eine Preisangabe, ein Liefertermin und eine Aussage zur Datenverwendung. Das Produktblatt enthält nur den Preis. Die Abgabe besteht aus einem Entwurf mit belegter Preisangabe und zwei gekennzeichneten Rückfragen. Eine fachlich richtige Antwort kann damit kürzer sein als eine flüssige Antwort, die alle Wünsche scheinbar erfüllt.
Im zweiten Durchgang wird eine plausible, aber unbelegte Lieferzusage vorgegeben. Die Prüfaufgabe lautet, die Aussage zu erkennen und den Versand zu stoppen. Im dritten Durchgang fehlt die zuständige Stelle für eine Datenschutzfrage. Die erwartete Reaktion ist eine Übergabe mit konkreter offener Frage. Die Übung bewertet nicht, ob die Person besonders selbstbewusst schreibt, sondern ob sie die Grenzen ihrer Unterlagen und Befugnisse anwendet.
Die freiwilligen Vorschläge des Playbooks können solche Tätigkeiten begleiten. Für die Abgabe empfiehlt sich eine kurze Bewertungsnotiz mit Punkten für Quellenpassung, Fehlererkennung und Übergabe. Eine einzige Gesamtnote würde verdecken, ob jemand gut formuliert, aber eine unbelegte Zusage durchlässt. Das dürfte für einen verantwortlichen Versand bedeutsamer sein als eine weitere Sammlung allgemein formulierter Prompt-Tipps.
Beratung und Lernzeit gehören in den betrieblichen Auftrag#
Die Bundesagentur für Arbeit nennt Kompetenzanalyse und Qualifizierungsplanung als Bestandteile ihrer Arbeitgeberberatung. Die Kompetenzanalyse soll vorhandene Kenntnisse und Qualifizierungsbedarf identifizieren. Die Planung betrifft die jeweiligen Weiterbildungsschritte. Damit gibt es einen konkreten Beratungsanschluss, wenn ein Unternehmen seinen Bedarf noch nicht in passende Angebote übersetzen kann.
Förderung und kurze Einweisung sind allerdings verschiedene Fragen. Die dort beschriebene individuelle Beschäftigtenförderung setzt unter anderem mehr als 120 Stunden, zugelassene Weiterbildung und zugelassenen Bildungsträger voraus. Kenntnisse müssen über ausschließlich arbeitsplatzbezogene, kurzfristige Anpassungsfortbildungen hinausgehen; Schulungen zu einer betriebsspezifischen Software nennt die Seite als nicht förderfähig. Daraus folgt keine Förderzusage für einen KI-Workshop. Die aktuellen Bedingungen des konkreten Förderwegs gehören in die Beratung.
Für eine Lernmaßnahme trägt der betriebliche Auftrag mindestens die erlaubte Tätigkeit, die benötigte Vorkenntnis, die geplante Abgabe und die Person, die sie prüft. Die Lernzeit lässt sich daran planen, ohne eine pauschale gesetzliche Stundenzahl zu behaupten. Nach einer neuen Integration oder einer Änderung der Außenwirkung kann dieselbe Arbeitsprobe erneut sinnvoll werden. Ein bloßer Wechsel der Modellbezeichnung beantwortet diese Frage noch nicht.
Bei der Kursauswahl zählt die Fähigkeit, einen Fehler bei einer konkreten Tätigkeit zu erkennen und richtig zu behandeln, mehr als der Zertifikatstitel. Passende Lernziele verbinden die Schulung mit dieser Aufgabe. Das Teilnahmezertifikat bleibt im Lernnachweis; die Arbeitsprobe bleibt bei der konkreten Tätigkeit. So ist später nachvollziehbar, welche Maßnahme stattgefunden hat und welche offene Frage noch eine fachliche Klärung braucht.
Häufige Fragen
Gibt Artikel 4 eine feste Zahl von Schulungsstunden vor?
Der hier geprüfte Artikel 4 nennt Kenntnisse, Erfahrung, Ausbildung, Schulung, Nutzungskontext und betroffene Personen. Ein bestimmtes Kursformat, eine feste Stundenzahl oder ein staatliches Zertifikat steht dort nicht.
Was unterscheidet Teilnahmebestätigung und Leistungsnachweis?
Die KI-Campus-FAQ verlangt für eine Teilnahmebestätigung Zugriff auf mindestens 50 Prozent der Lerninhalte. Ein Leistungsnachweis verlangt mindestens 60 Prozent der Gesamtpunktzahl aller bewerteten Aufgaben. Andere Angebote haben ihre eigenen Voraussetzungen.
Was prüft eine betriebliche Arbeitsprobe zusätzlich?
Eine Arbeitsprobe kann an einer konkret beschriebenen Aufgabe prüfen, ob die Person Belege abgleicht, Fehler erkennt und die richtige Übergabe wählt. Ihre Aussage bleibt auf die festgelegte Tätigkeit und Bedingungen begrenzt.
Passende Verzeichnisse
Quellen (7)
Quellen
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Datenstand
- Quellenstand 3. Oktober 2026; nächste redaktionelle Prüfung spätestens 15. November 2026.
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